Das weiß getünchte Dorf Betancuria zwischen Palmen in einem Bergtal, Fuerteventura

Foto: Hansueli Krapf (CC BY-SA 3.0), über Wikimedia Commons

Betancuria, Fuerteventura

Betancuria

Die erste Hauptstadt der Insel — im Landesinneren versteckt, außer Reichweite der Piraten.

Betancuria wurde 1404 vom normannischen Eroberer Jean de Béthencourt gegründet und blieb bis 1834 Hauptstadt Fuerteventuras. Der Ort liegt tief in den Bergen des Westens, bewusst außer Sichtweite des Meeres, und ist heute die einwohnerärmste Gemeinde der Kanaren. Kirche, zwei kleine Museen, eine Klosterruine und eine Handvoll Restaurants machen daraus den besten halben Tag abseits des Strands.

Warum die Hauptstadt mitten im Nirgendwo entstand

Jean de Béthencourt gründete Betancuria 1404, und die Wahl des Ortes war reine Verteidigung. Jahrhundertelang plünderten Korsaren die kanarischen Küsten, also legten die Normannen ihre Hauptstadt mehrere Kilometer landeinwärts in ein Tal, von Bergen gedeckt und vom Meer aus unsichtbar. Eine Zeit lang ging das gut — bis 1593 Angreifer den Ort doch erreichten und die Kirche zerstörten. Hauptstadt blieb Betancuria bis 1834, dann zog der Verwaltungssitz nach Antigua weiter und der Ort leerte sich.

Geblieben ist ein kleiner, sehr gepflegter Ort aus weißem Putz, dunklem Stein und Palmen, seit 1979 als Kulturgut geschützt. In der gesamten Gemeinde leben weniger als tausend Menschen — die kleinste Bevölkerung der Kanaren —, tagsüber sind die meisten Anwesenden Besucher. Betancuria taucht regelmäßig auf Listen der schönsten Dörfer Spaniens auf, und anders als viele Orte mit diesem Etikett muss es sich dafür nicht anstrengen: Hier wurde keine Altstadt inszeniert, hier steht nur, was übrig blieb.

Was Sie vor Ort erwartet

Die Iglesia de Santa María de la Concepción ist der Mittelpunkt. Um 1410 erstmals errichtet, beim Überfall von 1593 zerstört und im folgenden Jahrhundert wieder aufgebaut, trägt sie gotische Grundzüge unter barocken und Renaissance-Zutaten; die bemalte Holzdecke und das geschnitzte Chorgestühl sind der schönste Kircheninnenraum der Insel. Nebenan zeigt das Museum für sakrale Kunst das dazugehörige Silber und die Heiligenfiguren. Beides ist klein — eine halbe Stunde je Haus genügt.

Ein paar Straßen weiter widmet sich das Museo Arqueológico de Fuerteventura den Mahos, den vorspanischen Bewohnern der Insel, mit Werkzeugen, Keramik und Grabfunden; der Eintritt kostet nur wenige Euro, geöffnet ist meist dienstags bis samstags tagsüber. Am nördlichen Ortsrand steht die dachlose Ruine des Klosters San Buenaventura, frei zugänglich zu jeder Zeit. Dazu ein Mittagessen an der Hauptstraße — und der halbe Tag ist gut gefüllt.

Wo liegt Betancuria?

Häufig gestellte Fragen