Warum die Hauptstadt mitten im Nirgendwo entstand
Jean de Béthencourt gründete Betancuria 1404, und die Wahl des Ortes war reine Verteidigung. Jahrhundertelang plünderten Korsaren die kanarischen Küsten, also legten die Normannen ihre Hauptstadt mehrere Kilometer landeinwärts in ein Tal, von Bergen gedeckt und vom Meer aus unsichtbar. Eine Zeit lang ging das gut — bis 1593 Angreifer den Ort doch erreichten und die Kirche zerstörten. Hauptstadt blieb Betancuria bis 1834, dann zog der Verwaltungssitz nach Antigua weiter und der Ort leerte sich.
Geblieben ist ein kleiner, sehr gepflegter Ort aus weißem Putz, dunklem Stein und Palmen, seit 1979 als Kulturgut geschützt. In der gesamten Gemeinde leben weniger als tausend Menschen — die kleinste Bevölkerung der Kanaren —, tagsüber sind die meisten Anwesenden Besucher. Betancuria taucht regelmäßig auf Listen der schönsten Dörfer Spaniens auf, und anders als viele Orte mit diesem Etikett muss es sich dafür nicht anstrengen: Hier wurde keine Altstadt inszeniert, hier steht nur, was übrig blieb.








